Der folgende Beitrag wurde von mir im Oktober 2018 in der Fachzeitschrift "Schif & Hafen" veröffentlicht

 

Schiffbau „Made in China 2025“

 

Karl-Heinz Hochhaus

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 1: Schlüsselindustrien, in denen  China eine führende Stellung anstrebt (Quelle: Week in China)

 

 

 

 

 

 

 

1. Einführung

 Die zentrale politische Strategie „Made in China 2025“ (MIC 2025) wurde im Mai 2015 von der chinesischen Regierung ausgerufen, um China zum globalen Anführer der vierten industriellen Revolution zu machen.  Dazu wurden 10 Schlüsselindustrien genannt (u. a. Flugzeugbau, Eisenbahnen,  Energieeinsparung, High Tech Schiffe), in denen China bis 2025 Marktführer sein will (Abb. 1).

 

Bezogen auf den Schiffbau war  China 2017 mit 769 abgelieferten mit 23,74 Mio. GT und 11,86 Mio. CGT vermessenen  Schiffen bereits das führende Land vor Südkorea mit 293 Schiffen, 23,42 Mio. GT und 10,53 Mio. CGT [1].  China strebt auch in den strategisch wichtig bewerteten Bereichen Schiffbau und  Meerestechnik und hier besonders bei den technisch sehr komplexen Kreuzfahrtschiffen, die bisher fast ausschließlich auf in Europa angesiedelten Werften gebaut werden, bis 2025 die weltweite Führung an. Mit den Instrumenten der chinesischen Firmenbeteiligungen im In- und Ausland wird MIC 2025 engagiert umgesetzt [2].

 China hat mehr als 1.600 Werften, ein Drittel haben Schwierigkeiten, aufgrund  der Überkapazitäten und Qualitätsstandards zu überleben. Eine Bestandsaufnahme mit dem Ziel einer Strukturierung der chinesischen Industrie und Werftenlandschaft ergab eine sogenannte Weiße Liste mit 51 Werften, die im nationalen und internationalen Wettbewerb eine Rolle spielen.

2. Werften) [3]

 1982 wurde die staatliche China Shipbuilding Corporation (CSSC) gegründet, in der die wichtigsten Werften integriert wurden. 1999 wurde die CSSC-Gruppe in zwei regionale Bereiche gespalten. Die Werften der südlichen Region um Shanghai, Guangzhou und anderen Hafenstädten in den Provinzen Jianxi und Anhui verblieben in der CSSC Werft-Gruppe. Die wichtigsten Werften im nördlichen Teil von China, besonders in der Bucht von Bohai wurden in der China Shipbuilding Industry Corporation (CSIC) konzentriert.

 

2.1 China State Shipbuilding Corporation Limited (CSSC)

 Aus der ursprünglichen CSSC verblieben ab 1999 etwa 30 Werften der chinesischen Ostküste des Jangtse-Deltas sowie der südlichen Regionen, und es entstand der verkleinerte neue staatliche Mischkonzern CSSC in China mit rund 95.000 Beschäftigten. 2016 stand diese Werftengruppe mit rund 30 Mrd. $ Umsatz an 4. Stelle der Weltrangliste. Die Gruppe besteht aus rund 60 Einzel- und Beteiligungsunternehmen mit Schwerpunkten in schiffs- und meerestechnischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das Hauptgeschäft von CSSC ist der Schiffbau, der vorwiegend auf den drei Werften Shanghai Shipbuilding Industrial, Jiujiang Shipbuilding Industrial, Guangzhou Shipbuilding Industrial erfolgt. Fast alle zivilen Schiffstypen sowie Marineschiffe werden gebaut und repariert. In weiteren Werken erfolgt der Bau und die Konstruktion von Anlagen, Systemen und Maschinen der Schiffbauzulieferindustrie.

 

Im Januar 2015 hat Wärtsilä 70% seiner Dieselmotoren-Zweitaktsparte (rund 350 Mitarbeiter) an CSSC verkauft. Die verbliebenen 30% wurde in die gemeinsame Firma Winterthur Gas & Diesel (WinGD) mit Sitz in Winterthur (Schweiz) eingebracht, um Zweitaktschiffsmotoren für den Weltmarkt zu entwickeln und zu konstruieren. 2016 hat das chinesische Staatsunternehmen CSSC WinGD zu 100% übernommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 2: Bestehende und geplante Kreuzfahrthäfen in China (Grafik Dr. Hochhaus)

 

 

 

 

2. Werften) [3]

 1982 wurde die staatliche China Shipbuilding Corporation (CSSC) gegründet, in der die wichtigsten Werften integriert wurden. 1999 wurde die CSSC-Gruppe in zwei regionale Bereiche gespalten. Die Werften der südlichen Region um Shanghai, Guangzhou und anderen Hafenstädten in den Provinzen Jianxi und Anhui verblieben in der CSSC Werft-Gruppe. Die wichtigsten Werften im nördlichen Teil von China, besonders in der Bucht von Bohai wurden in der China Shipbuilding Industry Corporation (CSIC) konzentriert.

 

 2.1 China State Shipbuilding Corporation Limited (CSSC)

 Aus der ursprünglichen CSSC verblieben ab 1999 etwa 30 Werften der chinesischen Ostküste des Jangtse-Deltas sowie der südlichen Regionen, und es entstand der verkleinerte neue staatliche Mischkonzern CSSC in China mit rund 95.000 Beschäftigten. 2016 stand diese Werftengruppe mit rund 30 Mrd. $ Umsatz an 4. Stelle der Weltrangliste. Die Gruppe besteht aus rund 60 Einzel- und Beteiligungsunternehmen mit Schwerpunkten in schiffs- und meerestechnischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Das Hauptgeschäft von CSSC ist der Schiffbau, der vorwiegend auf den drei Werften Shanghai Shipbuilding Industrial, Jiujiang Shipbuilding Industrial, Guangzhou Shipbuilding Industrial erfolgt. Fast alle zivilen Schiffstypen sowie Marineschiffe werden gebaut und repariert. In weiteren Werken erfolgt der Bau und die Konstruktion von Anlagen, Systemen und Maschinen der Schiffbauzulieferindustrie.

 

Im Januar 2015 hat Wärtsilä 70% seiner Dieselmotoren-Zweitaktsparte (rund 350 Mitarbeiter) an CSSC verkauft. Die verbliebenen 30% wurde in die gemeinsame Firma Winterthur Gas & Diesel (WinGD) mit Sitz in Winterthur (Schweiz) eingebracht, um Zweitaktschiffsmotoren für den Weltmarkt zu entwickeln und zu konstruieren. 2016 hat das chinesische Staatsunternehmen CSSC WinGD zu 100% übernommen.

 

2.2 China Shipbuilding Industry Corporation (CSIC)

 Mit der CSIC entstand 1999 aus 10 Werften und der Rüstungsindustrie der nördlichen chinesischen Region die größte staatliche Werftengruppe. Im Vordergrund stehen  die vier bedeutenden Werften Dalian Shipbuilding Industry, Wuhan Shipbuilding Industry, Chonqing Shipbuilding Industry und Tianjin Shipbuilding Industry. In den über 40 Firmen im Zuliefer-, Offshore- und Rüstungs-Bereich sowie F-und E-Unternehmen arbeiten insgesamt etwa 300.000 Beschäftigte. CSIC ist die größte chinesische Werftengruppe und hat 2016 ein wichtiges Ziel erreicht. Sie stand mit rund 42 Mrd. $ Umsatz an 1. Stelle der Weltrangliste.

 

Die Werftengruppe ist vorwiegend in den Bereichen Entwurf, Konstruktion, Bau und Handel von zivilen sowie militärischen Schiffen aktiv. Sie beschäftigt sich neben dem Schiffbau in verschiedenen Werken mit der Herstellung von Maschinen und Anlagen der Schiffsausrüstung, Hilfsmaschinen sowie Schiffsdieselmotoren auch unter der Nutzung von Lizenzen oder Technologietransfer.

Auch im Bereich der regenerativen Energie mit Schwerpunkt Windkraft ist die Werftgruppe engagiert und produziert u. a. 5 MW Offshore Windkraftanlagen unter Lizenz der Aerodyn Energiesysteme GmbH (Rendsburg).

 

 

 

 

Abbildung 3: Passagierzahlen für 2016 in der  globalen Kreuzfahrt (Grafik Dr. Hochhaus, Daten www. cruiseindustrynews.com)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Carnival,  Fincantieri und CSSC schließen Joint Venture

 Im März 2014 hat das chinesische Transportministerium ein offizielles Papier zum Aufbau einer eigenen Kreuzfahrtindustrie vorgestellt. Darin ist u. a. enthalten, dass importierte Kreuzfahrtschiffe nicht älter als 10 Jahre sein dürfen. Ein Jahr später wurden Ausbaupläne für die 12 zukünftigen chinesischen Kreuzfahrthäfen vorgestellt (Abb. 2). 2016 haben 2,1 Mio. chinesische  Passagiere eine Kreuzfahrt durchgeführt und belegten laut Cruise Lines International Association (Clias) nach den USA (11,5 Mio.) und vor Deutschland (2,0 Mio.) in dem Jahr den zweiten Platz in der weltweiten Passagierrangliste (Abb. 3). China ist der am schnellsten wachsende Markt  und wird voraussichtlich bis 2026 auf rund 10 Millionen Kreuzfahrtpassagiere wachsen. Mehr als 20 große Kreuzfahrtschiffe der mehrheitlich westlichen Reedereien sind in diesem Markt aktiv, und die Kreuzfahrtschiffe werden knapp.

 

Im November 2014 erfolgte zwischen den größten Teilnehmern dieses Marktes, Carnival als Betreiber, Fincantieri als Bauwerft und CSSC als größte chinesische Werftengruppe eine grundsätzliche Vereinbarung zum Bau und Betrieb von Kreuzfahrtschiffen. Im Oktober 2015 haben sich die Carnival Corporation mit der CSSC und China Investment Capital Corporation (CIC), dem Staatsfonds der Volksrepublik, in London zu einem Joint Venture in China zusammengeschlossen. Der Vertrag wurde unter der Teilnahme des britischen Premierminister David Cameron und des chinesischen Präsidenten Xi Jinping unterzeichnet  (Abb. 4). 60% der Anteile halten CSSC und CIC, die restlichen Anteile übernahm Carnival Corporation. Die neu geschaffene chinesische Kreuzfahrtmarke soll Schiffe aus der  Flotte der Carnival Corporation kaufen und mit Heimathafen in China einsetzen. Weiterhin sollen später die neuen  in China gebauten Kreuzfahrtschiffe hier ihre Basis haben.

 

Am 22. Februar 2017 wurde in Peking in der Großen Halle des Volkes in Anwesenheit des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella und des Präsidenten der V. R. China Xi Jinping zwischen CSSC, Fincantieri sowie Carnival ein verbindliches Memorandum of Agreement (MOA) zur Kreuzfahrtschifffahrt unterzeichnet. Das MOA wurde von Guiseppe Bona (CEO Fincantieri), Wu Qiang (Präsident CSSC) und Michael Thamm (CEO Asia Carnival, Costa Group) unterzeichnet. Es betrifft zwei Joint Ventures zum Bau und Betrieb von Kreuzfahrtschiffen in China.

 

 

 

 

Abbildung 4: 2015, Unterzeichnung des Joint Ventures in London (Quelle Carnival)

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 5: Carnival Vistar von Fincantieri (Quelle: Wikipedia; antonio)

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Bau von zwei Kreuzfahrtschiffen in China (+ 4 Optionen)

Konkret erfolgte von Asia Carnival und der China Investment Capital Corporation  (CIC) die Bestellung von zwei Kreuzfahrtschiffen im Wert von 1500 Mio. $ mit einer Option für vier weitere Neubauten. Der Bau erfolgt bei der CSSC-Tochter Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding nach der Designlizenz der von  Fincantieri gebauten Vista-Klasse (Abb. 5) mit 323 m Länge, 134.000 BRZ und Kapazität von rund 5000 Passagieren. Im Rahmen der Vereinbarung wird  die Carnival Corporation sich vor Ort an der Bauaufsicht beteiligen. Die Ablieferung des ersten dieser Schiffes ist für 2023 geplant. Von Fincantieri kommt die Technologieplattform, das Know How und die Schlüsselkomponenten. Das Design wird auf den speziellen Geschmack der chinesischen Touristen und auf die neue chinesische Kreuzfahrtmarke des Joint Ventures zwischen Carnival Corporation, CSSC und CIC Capital zugeschnitten, die auch die Einheiten betreiben wird.

 

 5. Bau von RoPax-Fähren

 Europäische Fährreedereien haben viele Neubauaufträge an chinesische Werften vergeben.  In der Tabelle 1 wurden die größeren RoPax-Order aufgeführt [4, 5]. 2014 wurde von der schwedische Reederei Destination Gotland, eine Tochter der Rederi AB Gotland, bei der CSSC-Tochter Guangzhou Shipyard International (GSI)  in China der Neubau Visborg (Abb. 6) bestellt, der ursprünglich 2017 abgeliefert werden sollte. Die Ablieferung wurde mittlerweile auf 2018 verschoben. Eine Option auf einen Nachbau namens Thjelvar wurde 2015 in eine Festbestellung mit Ablieferung 2018 umgewandelt.

 

 

Werft

Reederei

Schiffs-typ

Be-stel-
lung

Op-
tion

Ablie-
 fe

rung

Pax

Ver-mes-
sung
[BRZ]

Lane
 [m]

Be-mer-
kun-gen

AVIC Weihai Shipyard

Britanny Ferries

RoPax

2

 

2021

1000

42400

3100

 

AVIC Weihai Shipyard

Stena

RoPax

3

4

2019/20

930

42000

3100

 

Guangzhou Shipyard

Algerie Ferries

RoPax

1

 

2020

1800

25000

 3000

 

Guangzhou Shipyard

Dest. Gotland

RoPax

2

 

2018

1650

32000

1750

LNG

Guangzhou Shipyard

DFDS

RoPax

2

 

2021

600

 

4500

 

Guangzhou Shipyard

MSC & Moby Lines

RoPax

4

4

2020/21

2500

 

3765

OSK 

Jinling Shipyard

TT-Line

RoPax

2

 

 

650

 

4600

?

Xiamen Shipyard

Viking Cruise

RoPax

1

1

 

2800

63000

1500

 

 

  Tabelle 1: Europäische Aufträge an chinesische Werften von RoPax-Fähren (Quelle Ferry Shipping News 2018)

 

 Bei der gleichen Werft hat das italienische Fährunternehmen Grandi Navi Veloci (GNV) der MSC Gruppe und Moby Lines (Onorato Armatori) vier große RoPax Fähren bestellt.  Die luxuriösen Schiffe werden 229,50 Meter lang, 32 Meter breit, und die LNG-tauglichen Motoren sollen eine Geschwindigkeit bis 23,5 Knoten ermöglichen. In 535 Kabinen sollen bis zu 2.500 Personen Platz finden und für Fahrzeuge stehen 3.765 m Fahrspuren zur Verfügung. Die Schiffe werden mit Unterstützung von OSK-Shiptech (Dänemark) entworfen und konstruiert, von RINA klassifiziert und das erste Schiff soll 2020 in Dienst gestellt werden. Der Vertrag beinhaltet eine Option für vier weitere Schiffe. Auch bei der AVIC Weihai Shipyard, der Jinling Shipyard und der Xiamen Shipyard wurden RoPax-Fähren bestellt.

 

 

 

 

 

 

Abbildung 6: Bau der neuen Gotlandfähre in China (Quelle Destination Gotland)

 

6. Zusammenfassung

Die im Mai 2015 veröffentliche Strategie „Made in China 2025“ beinhaltet 10 anspruchsvolle Schlüsselindustrien, in denen China bis 2025 die technologische Führung übernehmen will. Der Industriebereich „high-tech ships“ betrifft besonders die italienische und deutsche Schiffbauindustrie mit Schwerpunkt Kreuzfahrtschiffe.

 

Nach einem kurzen Rückblick auf die beiden großen chinesischen Werftgruppen wird über die aktuellen Entwicklungen berichtet, um in China mit Hilfe von Carnival,  Fincantieri, Wärtsila u. a. anspruchsvolle Fähr- und Kreuzfahrtschiffe zu bauen.

 

7. Literatur und Quellen

 

 

[1] VSM: Jahresbericht 2017/2018; Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V., Hamburg im Mai 2018

[2] Jungbluth, Cora: Kauft China systematisch Schlüsseltechnologien auf?  Studie der Bertelsmann Stiftung 2018

[3] Homepage der China State Shipbuilding Corporation Limited (CSSC);  http://www.cssc.net.cn/ en/component_general_situation/

 [4] N. N.: Stena bestellt LNG-Fähren in China,  Schiff & Hafen Nr. 6, 2018

 [5] Eckardt, Christian: Europäische Fährreedereien bestellen in China, THB 14. Februar 2018