Kiebitzberg Schiffswerft - Solarschiffe für Berlin

Für die Berliner Solarschiffe engagieren sich Tim Schultze (Chef von SolarWaterWorld), Andreas Lewerken, Florian Lewerken, (beide Inhaber der Kiebitzbergwerft)  Louise Ahrens (Geschäftsführerin bei Solar Water World) und Andreas Behrens (Chef von Stern und Kreisschiffahrt)  (Quelle Solar Circle Line)

 

Dieser Beitrag zur innovativen Kiebitzberg Schiffswerft in Havelberg

entstand am 15.1.2020 parallel zu einem Beitrag, den ich in Wikipedia erstellt habe und in Teilen von

Biberbaer, Invisigoth67, Grammabot und KlauRau ergänzt wurde.

Er wurde im Juni 2020 im Rahmen der Ablieferung des 2. Solarschiffes aktualisiert und erweitert

Karl-Heinz Hochhaus im Juni 2020

 

 Havelberg, Blick auf die Havel und Kiebitzbergwerft (Foto Dr. Hochhaus)

 

1. Einführung

 

Havelberg hat zum Schiffbau eine interessante  Geschichte zu bieten, da 1867 hier die "Kurfürstliche Werft Havelberg" errichtet wurde. Die "Kiebitzberg Schiffswerft" kann sich im weiteren Sinne als historischer Nachfolger betrachten. Sie hat sich inzwischen etabliert und ist heute Teil der Kiebitzberggruppe. Die Werft hat sich inzwischen auf den hochwertigen Innenausbau und den Neubau von umweltfreundlichen Aluminiumschiffen spezialisiert.

 

 

Modell der Kurfürstlichen Werft Havelberg in dem Museum Haveberg (Foto Dr. Hochhaus)

 

 2. Geschichte

 

Die Kurfürstliche Werft Havelberg wurde auf Anordnung von Friedrich Wilhelm von Brandenburg vom niederländischen Reeder Benjamin Raule errichtet und betrieben. Es wurden fünfzehn für den Standort sehr große Schiffe für die Kurbrandenburgische Marine gebaut, die jedoch nicht alle in den Dienst der Marine kamen.

 

Die Schiffe der Havelberger Werft galten als sehr gelungen, trotzdem blieb der erwartete langfristige Erfolg aus, und viele der abgelieferten Schiffe wurden unter Wert verkauft.

 

 

"Kamele" zum Schiffstransport auf der flachen Elbe (Foto Dr. Hochhaus)

 

Auf der Kurfürstliche Werft Havelberg entstanden 15 Brigantinen und Fregatten für die kurbrandenburgische Marine. Weitere rund 20 Galiote, Schnaus, Barken und Fleuten wurden von Raule auf eigene Rechnung gebaut und verkauft.

 

Der Standort in Havelberg war für den Bau von Schiffen wegen der leichten Zufuhr von Holz über Elbe, Havel und Spree gut geeignet. Sie hatte aufgrund der flachen Havel und Elbe jedoch Probleme,die Schiffe abzuliefern. Daher entstanden nur die Rümpfe  in Havelberg, die mit viel Aufwand mit dem Einsatz von "Kamelen" über die Elbe nach Hamburg transportiert wurden. Hier erfolgte anschließend der Fertigbau.

 

 

 

 

 

 

 

 

Astana, ein Wassercabrio für Kasachstan (Quelle Kibitzbergwerft)

 

 

 

 

 

 

 

2. Geschichte der Kiebitzberg Werft

1998 endet mit der Abwicklung der "Havelberger Schiffwerft" Havelbergs 300-jährige Werftgeschichte. Mehrere Investoren haben versucht, den ehemaligen Betrieb der "Deutsche Binnenwerften" als Werftbetrieb  weiter zu führen und sind gescheitert.

 

Im selben Jahr erwarben das Ehepaar Lewerken das große weitgehend brachliegende Werftgelände an der Havel von der Treuhand und gründeten die Kiebitzberg Schiffswerft GmbH & Co.KG. Die Familie begann mit dem Schiffsinnenausbau, danach folgten Reparaturaufträge und später der Neubau von Spezialschiffen. Das 28.000 m² große Gelände der Werft wurde entkernt, Gebäude um- und neu gebaut und es entstanden neben Möbelwerkstätten die ersten Projekte. Neben kleineren Schiffsreparaturen und Stahlarbeiten wurden Tischlerarbeiten durchgeführt und es wurden Küchenarbeitsplatten, Waschtischanlagen, und Designobjekte für Kunden in ganz Deutschland gebaut und geliefert. Aus anfangs drei Mitarbeitern sind inzwischen über 100 geworden.

 

2015 wurde mit der ursprünglichen Gründung der Werkstatt für therapeutisches und didaktisches Holzspielzeug "Holzspielzeug vom Kiebitzberg" das 30-jährige Jubiläum gefeiert. 1990 war Spielzeug aus Holz nicht mehr gefragt und mit den vorhandenen und neuen Holzbearbeitungsmaschinen wurden Möbel gebaut. Ab 1992 wurden Lehrlinge eingestellt und ausgebildet. Wachsender Auftragsbestand und steigende Mitarbeiterzahlen führten 1996 zu einer Neuansiedlung im Gewerbegebiet der Stadt Havelberg unter dem neuen Namen „Kiebitzberg Möbelwerkstätten“.

 

 

 

 

 

 

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Der Mississippi-Raddampfer Baltic Star für 220 Personen wurde 2008 von Renate Lewerken in Havelberg getauft (Quelle Wikipedia)

 

Der Sohn Florian Lewerken übernahm nach einem Studium und Tischlerlehre u. a. die entstehende Boots- und Schwimmstegfertigung.

 

2005 besuchte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Werft. 2007 wurde in Havelberg das stark sanierungsbedürftige Hotel „Schmokenberg“ gekauft und bis 2012 entstand daraus das firmeneigene Hotel Kiebitzberg.

 

2016 eröffnet die Kibitzberggruppe Niederlassungen in Leipzig und Rostock und ist in Deutschland inzwischen mit 5 Standorten und rund 110 Mitarbeitern vertreten. Schwerpunkte sind neben Möbelbau der Bau von Steganlagen, Bootsgaragen und Schiffen mit den Schwerpunkten Katamarane, Aluminiumbearbeitung mit Wasserstrahlschneiden und zunehmend Solar-und Akkuschiffe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der fliegende Holländer in Berlin auf der Spree, ein Wassercabrio für 100 Personen (Quelle Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Schiffsneubau

Als erster Neubau entstand ein Traditionssegler und 2006 wurde mit der Positano das erste seegehende Schiff der Kiebitzberg Schiffswerft für die Reederei Belis abgeliefert. 2008 wurde ein Schaufelraddampfer für die Ostseeküste und eine Hafenbarkasse für den Hamburger Hafen abgeliefert.

 

Entstanden sind bisher 16 Schiffe, darunter zwei kleine elektrisch angetriebenen Fähren für Island, Schwimmsteganlagen und Arbeitsplattformen. Neben Wohnbooten und Jachten entstand 2008 der Mississippi-Raddampfer Baltic Star für 220 Personen. 2009 wurde der fliegende Holländer, ein Wassercabrio abgeliefert.

  Hallenarbeiten am am Solarschiff-Neubau KSW 283 für die Solar Circle Line (Quelle Kibitzberg)

 

4. Kiebitzberg Schiffswerft baut umweltfreundliche Elektroschiffe für Berlin

2019 wurde von der Werft das erste  Fahrgastschiff vom Typ Suncat 120 (Neubau 283) für 180 Passagiere mit einer Länge von 36,50 Meter und einer Breite von sieben Metern abgeliefert. Die Suncat 120 hat ein Gewicht von rund 80 Tonnen, einen Tiefgang von 0,9 Metern und eine Antriebsleistung von zweimal 45 Kilowatt. Das Schiff mit E-Motoren zum Propellerantrieb erhält den notwendigen Strom aus 48 Solarmodulen, die auf einer Fläche von fast 80 Quadratmetern auf denm Dach installiert wurden. Diese Leistung von 16 Kilowatt werden in Akkus mit rund 620 kWh gespeichert.

 

 

Blick vom Domgelände auf die Werft mit der Suncat 120
(Foto Dr. Hochhaus)

 

Das Akkuschiff mit  viel Glasflächen kostete rund 2 Mio. € und wird für Rundfahrten, Tagungen oder Feste eingesetzt. Dies und ein baugleiches Schiff vom Typ Suncat 120 wurden von Solar Cicle Line bestellt und das 2. soll im Frühjahr 2020 abgeliefert werden. Der Termin hat sich aufgrund der Corona-Pandemie auf Ende Juni 2020 geändert.

 

 

Für die Berliner Solarschiffe engagieren sich (von links) Tim Schultze (Chef von SolarWaterWorld), Andreas Lewerken, Florian Lewerken, (beide Inhaber der Kibitzbergwerft)  Louise Ahrens (Geschäftsführerin bei Solar Water World) und Andreas Behrens (Chef von Stern und Kreisschiffahrt)  (Quelle Solar Circle Line)

 

Die Solar Water World AG (Eigenschreibweise SolarWaterWorld AG), wurde im März 2001 vom Schiffbauingenieur Thomas Meyer in Hameln gegründet. Die Vorgängereinrichtung war das Institut für Solarschiffbau in Hameln. 2008 wurde der Sitz der Gesellschaft nach verlegt.

 

Das Ziel der Gesellschaft ist die Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Solarbooten und Solarschiffen. Neben dem Verkauf betreibt Solar Water World den Verleih von Solarbooten und die Planung für den zukünftigen öffentlichen Nahverkehr mit solarelektrischen Fahrgastschiffen in Berlin und anderen Städten

 


 

Der Geschätsführer der Kiebitzberg Schiffswerft Andreas Lewerken (links) und Sohn Florian Lewerken auf der Suncat 120 (Quelle Kiebitzberg Schiffswerft)

 

Geladen werden die Akkus während der Fahrt über die Solarmodule, die auf dem Dach des Bootes verbaut wurden sowie von der Schnellladesäule im Treptower Park. Eine Akkuladung reicht für zehn bis zwölf Stunden Fahrt.

  Restarbeiten am Solarschiff Suncat 120 für die Solar Cicle Line, eine Tochter der  Solar Waterworld und der Stern-und Kreisschiffahrt (Quelle MDR)

 

Diese Schiffe werden von der Solar Circle Line, die erste rein solar-betriebene Fahrgastschiff-Reederei, eingesetzt. Die Firma Solar Circle Line wurde von Solar Waterworld, die seit 2001 Solarschiffe entwickelt, als neue Tochterfirma gegründet. Sie soll solar-elektrisch betriebene Fahrgastschiffe betreiben,  die Stern-und Kreisschiffahrt ist als Minderheitsgesellschafter beteiligt.

 

 Blick in den Fahrstand der  Suncat 120  (Quelle Kibitzberg)

 

  5. Auszeichnungen der Kiebitzberg Gruppe

  • 1999 wird Andreas Lewerken mit dem „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet
  • 2010 „Unternehmen des Jahres“ im Land Sachsen-Anhalt
  • 2011 „Unternehmen des Monats Februar 2011“
  • 2013 „Sterne für Sachsen-Anhalt“ – mit dem „Stern“ als Symbol für ein leuchtendes Vorbild der EU-Strukturfondskampagnen 2013/2014.

Überführung der Suncat 120 von Havelberg nach Berlin (Quelle Kibitzbergwerft)

 

Anfang Dezember 2019 wurde die Suncat 120 für die Überführung von Havelberg nach Berlin vorbereitet. Die Bergfahrt wurde nach vier Schleusungen auf der halben Strecke im traditionsreichen Fischer- und Schifferort Pritzerbe bei Brandenburg zur Übernachtung am 12. Dezember unterbrochen. Hier wurden auch die Akkus wieder aufgeladen.

 

 

 

 

 

 

 

Taufe der Slarcat 120 am 10. Juni 2020 in Berlin

(Quelle Solar Circle Line)

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergrund für diese "grünen" Berliner Fahrgastschiffe ist das Bestreben des Senats, dass die Berliner Schifffahrtsunternehmen bis 2030 ihre CO2-Emissionenum 30 Prozent und ihre Dieselemissionen um 90 Prozent reduzieren. Im Frühjahr 2018 wurde in Berlin daher auch der der Verband für Elektroschifffahrt und Ladeinfrastruktur gegründet.

 

Auch der 2. Katamaran aus Aluminium wurde mit zwei Autokrane im Stapelhub zu Wasser gelassen.(Quelle Kibitzberg)

 

 6. Weblinks

 

* https://kiebitzberg.de/werft/ Webseite der Werf ] abgerufen am 16. Januar 2020

 

* https://www.familienunternehmen.de/media/public/pdf/publikationen-studien/studien/Industrielle-Familienunternehmen-in-Ostdeutschland_Stiftung-Familienunternehmen.pdf/ Übernahme der Werft, beschrieben in der Studie "Industrielle Familienunternehmen in Ostdeutschland"], abgerufen am 14. Januar 2020

 

* https://www.volksstimme.de/lokal/havelberg/elektrofaehren-kiebitzberg-baut-schiffe-fuer-island/  Schiffe für Island

 

* https://www.volksstimme.de/lokal/havelberg/werft-stapellauf-fuer-erstes-e-schiff/ Bild vom Stapelhub Technische Daten und Bilder

 

* https://www.volksstimme.de/deutschland-welt/wirtschaft/auftrag-havelberger-e-boote-auf-der-spree/ E-Boote auf der Spree , abgerufen am 16. Januar 2020

 

* https://www.neues-deutschland.de/artikel/1105275.schifffahrt-nur-mit-sonnenkraft-auf-der-spree.html/ SolarCircleLine], abgerufen am 16. Januar 2020

 

* https://elektroschifffahrt.org/ Verband für Elektro­schiff­fahrt und Lade­infra­struktur e.V.], abgerufen am 15. Januar 202