„Ostfriesland“ von der AG Ems, das erste LNG-Schiff unter deutscher Flagge

 

1. Einführung

Die kombinierte Autofähre und Passagierfähre Ostfriesland wurde unter der Baunummer 186 bei „Martin Jansen, Schiffswerft und Maschinenfabrik“ in Leer gebaut und 1985 abgeliefert. Das Schiff transportiert Personen, Güter und Fahrzeuge und  verkehrt hauptsächlich zwischen Emden und Borkum, gelegentlich wird die Fähre auch im Verkehr nach Eemshaven eingesetzt.
 

Claus Hirsch und Dr. Cornel Thill haben im Herbst 2013 zur Hauptversammlung der STG in Berlin einen viel beachteten Vortrag zum Umbau [1, 2] gehalten. Modernisierung, schär­fere Umwelt­auf­la­gen und auch wirtschaftliche Aspekte waren für die AG Ems die wesentlichen Gründe, dies Schiff auf den umwelt­freund­li­cheren LNG-Treib­stoff umzu­stel­len. Die Reederei AG Ems nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und hat mit den Partnern im Rahmen des Forschungsprojektes „Maritim“ das erste mit LNG (Liquefied Natural Gas) betriebene Schiff unter deutscher Flagge, die Ostfriesland, geplant, ab 2014 umgebaut und im Juni 2015 in Betrieb genommen. Durch den rund 13 Mio. Euro teuren Umbau (rund 3,1 Mio. Euro von der EU) wurde das Schiff um rund 15 Meter länger, dadurch vergrößerte sich neben der Ladekapazität auch das Sonnendeck.

 

 

 

  2. Forschungsarbeiten führen zum Umbaukonzept der „Ostfriesland“

Im Rahmen des F&E-Projektes Maritim wurde in maritimer Zusammenarbeit im deutsch-niederländischen Grenzraum die Entwicklung zukünftiger Schiffsantriebssysteme untersucht und realisiert. In drei Teilprojekten wurden umweltfreundliche Antriebe für Fahrgastschiffe, für Binnenschiffe und für Küstenschiffe mit einem geplanten Gesamtumfang von 8,7 Mio. € untersucht.

Im Teilprojekt „LNG Passenger Vessel“ erfolgten umfangreiche Forschungsarbeiten am Beispiel des Fahrgastschiffes „Ostfriesland“. Der Istzustand  wurde logistisch und messtechnisch untersucht und  dokumentiert, um als Basis zu dienen. Aufgrund der Anforderungen an dem zukünftigen nachhaltigen Betrieb des Schiffes wurden verschiedene Antriebskonzepte unter den Randbedingungen der Wattenfahrt untersucht, bewertet und eine Machbarkeitsstudie erstellt (Ergebnisse s. a. Tabelle 1). Der sich daraus ergebende Umbau beinhaltete ein komplett neues Hinterschiff (Abb. 2), um auch den großen LNG-Tank unterzubringen [3]  .

 

3. Umbau zum LNG-Schiff

Die neue Hinterschiffssektion für die Ostfriesland wurde auf dem Werftbetrieb „Brenn- und Verformtechnik“ (BVT) in Bremen-Vegesack gebaut und ausgerüstet. Die Fähre selbst war zu dieser Zeit noch im Fährdienst. Sie wurde im Oktober 2014 in Zweigbetrieb Bremerhaven in zwei Teile geschnitten und mit dem neuen längeren Hinterschiff verheiratet, das auch den Tank, die neue Maschinenalage und zwei Pods beinhaltete.

Die dieselelektrische Antriebsanlage besteht aus zwei Dual-Fuel Dieselgeneratoren von Wärtslä (W20DF)  mit je rund 1.150 kW Leistung bei einer Nennfrequenz von 60 Hz sowie zwei Gasmotoren von Mitsubishi mit je 370 kW Generatorleistung bei 50 Hz. Der mit diesen vier Generatoraggregaten erzeugte Strom dient unter Zwischenschaltung von Frequenzumrichtern zum elektrischen Antrieb der zwei Ruderpropeller (Abb. 3) mit je rund 1.150 kW Nennleistung und für das übrige elektrische Bordnetz für die schiffstechnischen Hilfssysteme und die Hotellast. Zum schnelleren Manövrieren steht ein Bugstrahler mit 300 kW Leistung zur Verfügung.

Der Tank-, der Aufbereitungs- und der Gasmotorraum sind nur durch Schleusen zu betreten, haben entsprechende Sensoren erhalten und sind an den Entlüftungsmast angeschlossen. Das komplexe Tanksystem LNGPac und Gasaufbereitungssystem beinhaltet das Kraftstoffsystem für verflüssigtes Erdgas mit dem eigentlichen Speichertank sowie die Gasaufbereitungs- und regulierungseinheit mit entsprechenden Sicherheits- und Steuerungselementen sowie dem Entlüftungsmast. Es wurde von Wärtsilä entwickelt ebenso wie das als „Cold Recovery“ bezeichnete patentierte System zur Verdampfung des LNGs. In der Klimaanlage wird diese Verdampfungswärme zur Kälteversorgung genutzt, wodurch der Strombedarf der Kälteverdichter eingespart wird.

4. Zusammenfassung

Am 17. Juni 2015 hatte die Reederei die Jungfernfahrt von Emden nach Borkum im Erdgasbetrieb durchgeführt. Dabei hatten die Gäste die Möglichkeiten, die modernisierte Brücke (Abb. 4) und die erneuerten Passagier- und  Bewirtschaftungseinrichtungen zu erleben. Aus dem 30 Jahre alten Schiff ist ein zeitgemäßes Fährschiff mit heutiger Infrastruktur und W-Lan in allen Räumen und Decksbereichen entstanden. Die Reederei rechnet bei den Betriebskosten mit einer Einsparung von 20 – 25%.

 

5. Literatur

[1] Hirsch, C.; Thill, C.: Konvertierung MS Ostfriesland zu einem Wattenmeer LNG Passagierschiff, STG Jahrbuch 2013

[2] Hochhaus, K.-H.: Schiffstechnik neu definiert“ war des Motto der 108. STG-Hauptversammlung in Berlin, in: Hansa 2/2014

[3] Hochhaus, Karl-Heinz: Umbau des Wattenfährschiffes „Ostfriesland“ auf Gasantrieb. Hansa, Heft 9/2014


Link zur Reederei: https://de.wikipedia.org/wiki/Reederei_Cassen_Eils

 Link zur Werft: https://de.wikipedia.org/wiki/Fassmer