Abbildung 1: Die Kogge "Ubena von Bremen"  mit einer Antriebsmaschine von 370 PS und Dieselgeneratoraggregat mit 20 kW  wurde im Rahmen Ihres 40jährigen Jubiläums  von 17 Schiffsingenieuren mit dem höchsten Patent betreut (Foto: Olaf Adebahr)
Abbildung 1: Die Kogge "Ubena von Bremen" mit einer Antriebsmaschine von 370 PS und Dieselgeneratoraggregat mit 20 kW wurde im Rahmen Ihres 40jährigen Jubiläums von 17 Schiffsingenieuren mit dem höchsten Patent betreut (Foto: Olaf Adebahr)

Schiffsingenieur-Patent seit 40 Jahren

Karl-Heinz Hochhaus

 

Wir trafen uns um 10:30 Uhr in Bremerhaven vor dem Liegeplatz der Kogge "Ubena von Bremen" hinter dem Auswanderermuseum. Herbert Franke und Manfred Müller hatten das Treffen organisiert und JürgenMeyer sorgte für eine vierstündige Weserfahrt mit der Kogge, die ohne Wind und Wellen ein schönes Erlebnis wurde.

 

An Bord der Kogge feierten 17 (Abb. 1). von ehemals 26 Absolventen der ersten Bremerhavener C6/CI Schiffsingenieurklasse, die ohne Zwischenfahrtzeit durchgehend studieren durften, den 40. Jahrestag der Zeugnisübergabe und Patentverleihung. Viele waren mit ihren Frauen erschienen. Als Ehrengast konnten wir Prof Alfred Harms begrüßen, der uns in Motorenkunde unterrichtet hatte.

 

Abends saßen wir dann im Weser Yacht Club in der Borriesstraße beim gemeinsamen Essen. Anschließend hielt der Autor dieses Artikels einen Vortrag zu „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Schiffsingenieurs“ mit Betonung der Ausbildung ab 1966 und des Bremerhavener Umfeldes. Manfred verlas anschließend einen thematisch passenden Text, den er für die örtliche Zeitung verfasst hatte. Danach genossen wir drei kurze Filme, die Gerhard bei zwei Fußballspielen der Klasse während des Studiums und 1972 auf der Exkursion nach Süddeutschland gedreht hatte.

 

Nur sehr wenige von uns sind durchgängig zur See gefahren – aber alle sind der Technik treu geblieben. Sicherlich auch, weil die Ausbildung seinerzeit sehr praxisbezogen war. Kurios erschien uns im Rückblick, dass zur Ausbildung seinerzeit auch das Fach Reaktortechnik mit einem Laborversuch am Versuchsreaktor in Bremen gehörte. Andererseits fuhr Wolfgang Milde als 1. Ingenieur auf der „Otto Hahn“, die unter deutscher Flagge eines der wenigen zivilen Atomschiffe war, die Fracht transportierten.

 

Inzwischen hat sich die Ausbildung der Schiffsingenieure in zweifacher Hinsicht verändert. Einerseits wurde die praktische Ausbildung verkürzt und andererseits ist der seit 1965 verliehene akademische Titel „Ing. grad.“ dem Titel „Dipl.-Ing.“ gewichen. Seit 2010 wird zudem nur noch der „Bachelor“ verliehen. All dies hörten die Schiffsingenieure im Abendvortrag.

 

Dabei wurde in rund 30 Minuten die über 100-jährige Geschichte der Schiffsingenieure (ab 1910) verfolgt. Einige der Anwesenden haben mit rund 50 Jahren die Hälfte der Zeit in diesem Beruf verbracht, wenn die notwendigen Studienvoraussetzungen (Lehre und Ing.-Assi-Fahrtzeit) berücksichtigt werden. In diesen 100 Jahren ist die Theorie immer mehr in den Vordergrund und die Praxis fast immer weiter in den Hintergrund gerückt (Abb. 2). Abhängig von dem Jahr der Asbildung dauerte es bis zur Erteilung des höchsten technischen Patentes 10 bis 6 Jahre.

 

1910 = 4 Semester Theorie     8,0 Jahre Praxis (Ingenieur)        

1924 = 5 Semester Theorie   10,0 Jahre Praxis (Ingenieur)                  

1965 = 6 Semester Theorie     7,5 Jahre Praxis (Ingenieur grad.)          

1977 = 6 Semester Theorie      3,5 Jahre Praxis (Dipl.-Ing.)

2010 = 7 Semester Theorie       3,0 Jahr Praxis (Bachelor)

2010 = 4 Semester Theorie       4,0 Jahr Praxis (Techniker)

 

Der ursprünglich gerade Berufsweg bietet heute mehrere Nebenwege (Abb. 3) und erschien uns recht unübersichtlich. Wie 1910 reichen heute sogar wieder 4 Semester Fachschule, um Leiter der Maschinenanlage mit unbegrenzter Leistung zu werden.

 

Dieser Beitrag wurde in dem Schiffsingenieur Journal im Dezember 2012 abgedruckt

 

Abbildung 2: Schiffsingenieurausbildung 1910 und 1966  (Grafik Dr. Hochhaus).
Abbildung 2: Schiffsingenieurausbildung 1910 und 1966 (Grafik Dr. Hochhaus).

Abbildung 3: Heutige Ausbildung zum Schiffsingenieur (Leiter der Maschinenanlage) mit Abitur oder Fachabitur die zum Abschluß Bachelor of Science (B. Sc.) führt (Grafik Dr. Hochhaus).

Abbildung 4: Bordpersonal auf deutschen Seeschiffen, Stand 30.6.2010 (Quelle VDR)